Gutachten #1 (1990.05.09.PRJ) |
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| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. Information der Führerscheinbehörde | ||
| Sehr geehrter Herr Nachname, am ??.??.1990 haben Sie sich einer medizinisch-psychologischen Eignungsuntersuchung unterzogen, um Bedenken gegen Ihre Kraftfahreignung auszuräumen. Das Gutachten des MPIs vom ??.??.1990 liegt mir inzwischen vor. Es ist für Sie positiv ausgefallen. Aufgrund dieses Gutachtens sehe ich davon ab, Ihnen die Fahrerlaubnis zu entziehen. Allerdings weise ich Sie darauf hin, daß ich bei weiteren Verkehrsauffälligkeiten eine nochmalige Untersuchung verlangen muß. Sie können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß das dann zu erstellende Gutachten für Sie negativ ausfallen wird. Ich ermahne Sie deshalb eindringlich, sich künftig an die bestehenden Verkehrsvorschriften zu halten. Die Orginalausfertigung des Gutachtens füge ich diesem Schreiben bei. | ||
| 2. Gutachten | ||
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Die Untersuchung erfolgte am ??.??.1990 im Auftrage des Herrn Nachname,
um die von der Verwaltungsbehörde geltend gemachten Zweifel an der
Fahreignung auszuräumen. Die Verwaltungsbehörde hat die Vorlage eines Gutachtens
zur Vorbereitung ihrer Entscheidung über die Kraftfahreignung des Untersuchten
gefordert.
Untersuchungsanlaß und Fragestellung: Wiederholte erhebliche
Verkehrszuwiderhandlungen ohne Alkoholeinfluß. Ist zu ewarten, daß der Untersuchte auch zukünftig erheblich gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird? |
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| 3. Zur Vorgeschichte | ||
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Die uns übersandten amtlichen Akten, auf die hinsichtlich der
Vorgeschichte im einzelnen verwiesen wird, wurden eingesehen
und bei der Begutachtung berücksichtigt.
Nach Aktenlage besitzt Herr Nachname eine Fahrerlaubnis der
Klasse III. Nach Aktenlage wurde der Untersuchte wie folgt
verhaltensauffällig:
Am ??.??.1987: A12, BAK 1,4 g o/oo gegen ?? Uhr.
Wiedererteilung der Fahrerlaubnis am ??.??.1988. Am ??.??.1988: G2, am ??.??.1988: G2, am ??.??.1988: C3. Angaben zur Gesundheit Durch einem Arbeitsunfall im ??.??.1986 sei er erkrankt - 100% Schwerbehinderung. Sein PKW sei komplett auf Handbetrieb umgerüstet. Einschränkungen der Leistungsfächigkeit am Untersuchungstag und zum Führen von Kraftfahrzeugen wurden hier ausdrücklich verneint. |
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| 4. Medizinische Befunde | ||
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Allgemeinzustand Ernährungszustand: gut Kräftezustand: ausreichend Innere Organe Blutdruck: 110/75 mmHg Puls: 60 Schläge / Min. Vegetativum Vegetative Zeichen nicht verstärkt. Neurologischer Befund Schlaffe Lähmung ab Th 12/L 1. Bewegungsorgane Muskelatrophie beider Beine. Sinnesorgane Augen: Motilität: nicht gestört äußerlich: ohne krankhafte Veränderung zentrale Sehschärfe: o. Gl. re. 1,0 / li. 0.9 Hörvermögen: Flüstersprache 5m bds |
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| 5. Psychologische Befunde | ||
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Zur Lebensgeschichte, zur persönlichen und beruflichen
Entwicklung und jetzigen Lebenssituation machte der
Untersuchte hier u.a. folgende Angaben. Er sei bei den Eltern aufgewachsen, der Vater sei 19?? verstorben.Die Mutter führe den ?-Hof, sein Bruder (?? Jahre) helfe mit. Nach der Realschule sei er in der Ausbildung zum Beruf verunfallt. Nach Rehabilitationen und intensiver Krankengymnastik (noch heute einmal wöchentlich) sei er in der Ausbildung zum Beruf seit dem ??.??.1988. Privat: Freundin seit 18 Monaten. Freizeit: Disko, Musikhören, ... Zu den Auffälligkeiten: Vor der Alkoholfahrt habe er mit einigen Freunden das ??-Fest besucht und ca. 10 Bier und 3 Schnäpse konsumiert. (Warum trinken Sie so viel Alkohol?): Er habe dort allein gesessen, sein Unfall und die Trennung einer 2-jährigen Partnerbeziehung (1 Woche zuvor) sei ihm durch den Kopf gegangen. Über die Fahrtauglichkeit trotz 1,4 g o/oo habe er sich nachträglich gewundert, die möglichen Folgen seines Tuns erst später bedacht. Alkohol trinke er heute wie früher zumeist nur am Wochenende, etwa 3-4 Fl. Bier. Zu den Geschwindigkeitsübertretungen kann Herr Nachname keine näheren Angaben machen. Rückblickend sehe er die Notwendigkeit und den Sinn dieser Regelungen ein. Zum überfahren der Lichtzeichenanlage bei Rot sei es durch Eile gekommen. Morgens vor der Schule habe er seinen ??-vater zum Krankenhaus bringen müssen, sei aber zu spät von zu Hause losgefahren. Seit dem letzten Delikt passe er verstärkt auf, ihm sei klar, daß er Mist gebaut habe, und sei durch die Kosten sowie durch die Gefährdung seiner Fahrerlaubnis etc. nachhaltig beeindruckt. Insgesamt sei er heute ausgeglichen, primär durch die neue Arbeitsstelle. Während der 2 Jahre zu Hause, nach dem Unfall, sei er unzufrieden, aggressiv und reizbar gewesen. Mittlerweile habe er sich mit seiner Behinderung etwas mehr arrangiert, es sei schwierig, "aber man muß ..." Sein Wagen sei vollständig auf Handbetätigung umgerüstet, er komme gut damit zurecht. |
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| 6. Leistungsbefunde | ||
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Diese werden in Prozenträngen (PR) mitgeteilt. Der PR
gibt an, wieviel Prozent der Personen einer vergleichbaren
Stichprobe geringere Leistungen aufweisen; der mittlere
Leistungsbereich liegt zwischen PR 15 und PR 85.
Tachistoskopischer Auffassungsversuch (TAVT) PR 92 Linien-Verfolgen (LVT) PR 85 Standard progressive Matrices nach Raven (A-E) PR 63 Determinations-Gerät ( Wiener ) (untersucht sensumotorische Koordinationsleistung, Tempo und Genauigkeit bei Mehrfachwahlreaktionen, psychophysische Belastbarkeit) I. Durchgang Richtige Reaktionen PR 97, Leistungsgüte PR 63 II. Durchgang Richtige Reaktionen PR 74, Leistungsgüte PR 77 Im Kraftfahrer-Kenntnistest zeigten sich keine signifikanten Abweichungen. In einem Fragebogen für verkehrsauÿällige Fahrer (FVK) fanden sich Hinweise auf Selbstunsicherheit und Ablenkbarkeit sowie eine tendenziell verminderte Regelbindung. |
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| 7. Exploration / Verhalten | ||
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Die Stellungnahmen des Untersuchten waren besonders durch folgende
Merkmale gekennzeichnet: Freundlich, gesprächsbereit. Wirkt anfänglich etwas gespannt, ist ansprechbar, wird lockerer im ungestörten Gesprächskontakt. Kann in der Selbstdarstellung über persönliche Schwächen reflektieren. Entwickelt Einsicht in eigene Verhaltensbereitschaften und notwendige Einstellungsänderungen. Vorsatz, künftig Delikte zu vermeiden, wird durch veränderte Lebenssituation bekräftigt. Läßt Entwicklungsfortschritte mit Auswirkung auf Einstellung und Verhalten auch beim Umgang mit Alkohol erkennen. |
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| 8. Zusammenfassende Beurteilung | ||
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Herr Nachname hat sich hier im Sinne der angegebenen Fragestellung
untersuchen lassen, um die von der Verwaltungsbehörde geäußerten
Zweifel an seiner Fahreignung auszuräumen.
Die verkehrspsychologischen Untersuchungsergebnisse lassen keine
schwerwiegenden Beeinträchtigungen der verkehrsbedeutsamen
Leistungsfunktionen erkennen.
Die verkehrsmedizinische Untersuchung ergab im Hinblick auf die Fragestellung
bei sonst unauffälliger Befundlage folgendes: Eine Beeinträchtigung der Fahrsicherheit aufgrund der Querschnittslähmung war nicht festzustellen. Im Explorationsgespräch wurde deutlich, daß eine verstärkte Auseinandersetzung mit den Ursachen und möglichen Folgen eigenen Fehlverhaltens stattgefunden hat. Herr Nachname zeigte sich glaubhaft einsichtig und motiviert zu einem künftig regelkonformen Verkehrsverhalten. Persönlichkeitsdiagnostisch war zwar noch eine etwas wechselhafte Selbsteinschätzung und eine leicht verminderte Selbstkritik festzustellen, die Grundstruktur der Persönlichkeit weist aber genügend Möglichkeiten zur Selbstkontrolle und willentlichen Steuerung auf. Nach Abwägung aller positiven und negativen Aspekte der Fahreignung, ist die Fragestellung der Behörde aus gutachterlicher Sicht wie folgt zu beantworten: Nach dem Gesamtbefund ist bei dem Untersuchten eine Einstellungskorrektur bzw. Umorientierung festzustellen, die die Grundlage für eine dauerhafte Verhaltensänderung im positiven Sinne bilden kann. Mit einem verkehrsgerechten Verhalten des Herrn Nachname als Führer von Kraftfahrzeugen mit automatischem Getriebe, die auf Handbetrieb umgerüstet sind, kann zukünftig gerechnet werden. |
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© by PsyTec - Mobile verkehrspsychologische Praxis, 2000-2004 Dipl.-Psych. Andreas Skultéti http://www.psytec.de http://www.psytec.de |
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